Sonntag, 7. Oktober 2018

Dissoziation

Ich bin das Feld
das sich träge in der Sonne räkelt.
Ich bin der Wind
der sanft durch die Ähren streicht.
Ich bin der Vogel, der auf dem Baum
sein Herbstlied singt.
Ich bin die Wolke, die gleichgültig 
darüber hinwegzieht.

Der kleine Mensch dort unten
der nichts sieht
und nichts fühlt
als Schmerz
der bin ich nicht.

Samstag, 29. September 2018

No more haunting

Ich habe meinem Dämon
die Knochen gebrochen
obwohl ich gar nicht wusste
dass Dämonen welche haben.

Erst als es unter meinen Fingern leise knackte

ohne großen Widerstand
als breche ich einen Bleistift
begriff ich:

Ich kann meinen Dämon besiegen.

Sie.
Denn mein Dämon ist weiblich
wie ich.

Mit zerborstenen Gliedern

schmerzverzerrt
schleppte sie sich von dannen
bevor ich sie vernichten konnte.

Aber entkommen kann sie mir nicht.

Gnadenlos werde ich sie jagen
und ihr den Garaus machen.
Und frei sein.

Mittwoch, 26. September 2018

Über die Stille

Die Stille ist nicht das
wofür du sie hältst

Sie ist das Knistern des Windes im Maisfeld
der Vogelschwarm, der schreiend
darüber hinweg stiebt
das Schmatzen von feuchter Erde
unter deinen Füßen 

Sie ist nicht leise
die Stille

Sie raschelt und zwitschert
plätschert und zirpt
Manchmal rauscht sie als wilder Bach
an dir vorüber
oder klopft mit dem Specht ein Lied

Du kannst sie nicht rufen
die Stille
Aber wenn du sie hören willst
ist sie da

Dienstag, 4. September 2018

Verlassen

Er war nicht immer gut zu mir.
Zuweilen fiel es mir schwer
ihn zu lieben
oder auch nur zu ertragen

Aber jetzt
wo er geht
will ich ihn halten
Um jeden Preis

Alles bin ich zu geben bereit
wenn ich nur weiter
in seinem Feuer brennen darf
Wenn er nur bleibt

Doch er hat sich schon abgewandt
Keinen Blick bin ich ihm mehr wert
Und auf der Türschwelle steht
höhnisch grinsend

der Herbst

Sonntag, 8. Juli 2018

Alles und nichts

Ich liebe es
allein zu sein
aber nicht einsam
Regeln zu brechen 
ohne dafür zu bezahlen
Türen zu öffnen
und nicht wieder zu schließen 
Mitten in den Schmerz
hineinzuleben
und durch ihn hindurch zu tanzen
koste es, was es wolle

Ich liebe es
dir alles zu sein
und ohne dich
nichts

Montag, 25. Juni 2018

Fackel


Brennen, sagst du, soll ich.

Unbeirrt, trotz der Schmerzen.

Koste es, was es wolle.

Und ich, ich brenne

für dich

mit dir.

Weil du es so willst.



Ich bin dein Licht in der Dunkelheit, sagst du.

Doch unser Weg führt ans Tor zur Hölle.

Unten ist Schatten. Friedlich und still.

Kein Licht mehr.

Nur der flackernde Widerschein des Feuers

in dem wir gemeinsam

zugrunde gehen.

Dienstag, 12. Juni 2018

Poesie

Kopfreisen in ungelebte Leben
auf den Flügeln meines Traums

Über den Regenbogen gleiten
Auf dem Vulkan tanzen
Jedes Wagnis eingehen
dem die Vernunft im Wege steht

Vom vergifteten Apfel ein großes Stück abbeißen
Nektar schlürfen und Ambrosia
Götter küssen und Dämonen lieben
Engel sein und Teufel zugleich

Kopfreisen in ungelebte Leben

 - Allein, aber frei