Dienstag, 12. Juni 2018

Poesie

Kopfreisen in ungelebte Leben
auf den Flügeln meines Traums

Über den Regenbogen gleiten
Auf dem Vulkan tanzen
Jedes Wagnis eingehen
dem die Vernunft im Wege steht

Vom vergifteten Apfel ein großes Stück abbeißen
Nektar schlürfen und Ambrosia
Götter küssen und Dämonen lieben
Engel sein und Teufel zugleich

Kopfreisen in ungelebte Leben

 - Allein, aber frei

Dienstag, 5. Juni 2018

Auf der anderen Seite


Nachdem die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, stand er minutenlang regungslos. Starrte auf die Klinke. Noch hing ein Hauch ihres Parfums in der Luft, eine langsam verblassende Erinnerung an Rosen mit einer heimlichen Note von Jasmin. Er würde es überall wiedererkennen. Jedes Mal, wenn ihn der vertraute Duft von irgendwo anwehte, würde ihn ein wohliger Schauer durchzucken. Die Hoffnung, dass sie es ist. Die Angst, dass sie es ist. Und dann Enttäuschung. Weil sie es nicht ist.

Es war still in der Wohnung. Als hätte sie alles Leben mit sich fortgenommen und eine leere Kulisse zurückgelassen. Nur eine verzweifelte Fliege summte viel zu laut. Aber an die Stille würde er sich gewöhnen.

Bevor sie gegangen war, hatte sie ihn angelächelt. Ein letzter Pfeil, den sie auf ihn abschoss, ihre stärkste Waffe – und sie traf ins Schwarze. Beinahe hätte er die Hand ausgestreckt, um sie aufzuhalten. Aber es war zu spät, er hätte sie nicht halten können. Jetzt nicht mehr.

Regungslos stand er im Flur und starrte auf die Tür, hinter der sie verschwunden war. Immerhin hatte sie gelächelt. Und Türen konnte man öffnen. Irgendwann.






  

Mittwoch, 30. Mai 2018

Märchenhaft unanständig

Rotkäppchen hat sich wieder einmal verlaufen
Es war keine gute Idee
mit dem Wolf einen trinken zu gehen

Die Großmutter kümmert es nicht
Für Kinder hatte sie nie viel übrig
Sie hofft auf den Jäger mit seinem Gewehr

Zum Glück hat die Hexe im Knusperhäuschen
noch ein Bett frei für das verirrte Paar
Den Lebkuchen danach pflückt man sich direkt vom Dach

Das Nebenzimmer belegt Dornröschen als Dauergast
Hundert Jahre und Prinzen nachzuholen
bedeutet Schwerarbeit

Da hat es Schneewittchen noch vergleichsweise einfach
mit den sieben Zwergen
obwohl die hoch motiviert sind

Es geht rund im sommerschwülen Märchenwald
Und wenn sie nicht gestorben sind
... sie noch heute

Donnerstag, 24. Mai 2018

Dienstag, 22. Mai 2018

Was es ist


Jahrelang habe ich mir gewünscht
wir könnten zusammen fliegen
Hand in Hand durch die Lüfte gleiten
das Prickeln des Windes auf der Haut fühlen
uns an der Luft betrinken

Doch du bist anders als ich
fest und sicher im Boden verankert
wie ein Baum
Dir fehlen die Flügel

Dennoch versuchst du nicht
mich zu halten
lässt mich hinaufschießen in die Wolken
bis ich nur noch ein schwarzer Punkt am Himmel bin
und wartest auf mich

Wenn ich dann mit glänzenden Augen
berauscht von der Schwerelosigkeit
wieder zur Erde herabsinke
bist du immer noch da

Fliegen muss ich allein
Aber ankommen darf ich bei dir 


Donnerstag, 17. Mai 2018

Entschweben

Spätnachts heimkommen
Meine kalten Hände
zwischen deine warmen Finger schieben
Deinem ruhigen Atem lauschen
so vertraut 

Wie gerne würde ich mich
für eine Weile nur
von diesem kaputten Körper lösen 
Ein paar Zentimeter unter der Decke schwebend 
auf uns herunter schauen
und mich an dem Bild erfreuen
wie wir da liegen
eng aneinander geschmiegt
so geborgen

Aber ich bin in diesem Kerker gefangen
Der Schmerz zieht mich nach unten
Und nur mein Geist
schwebt unter der Decke
so frei

Donnerstag, 10. Mai 2018

Fantásien


Was, wenn alle Gedanken der Welt
schon gedacht
alle Lieder gesungen
alle Bilder gemalt
alle Träume geträumt wären?

Wohin flögen wir
wenn es uns nicht mehr
am Boden hielte?

Es gibt ein Land
in dem die Gedanken
keine Grenzen kennen
die Musik keine Noten
die Farben keine Pinsel
und die Zeit
in Sternstunden gemessen wird

Dort ist meine Seele zu Hause