Donnerstag, 8. Juli 2010

Übergänge

Meine Wunden
bluten
mich aus mir hinaus
in eine andere Welt

Wie werden sie verkannt
die Boten des Unendlichen
wie werden sie gefürchtet
ganz ohne Grund
denn Angst erwächst nur aus
Erstarrung

Dort, wo lebendig
mein Wesen über Grenzen geht
wo jede Wunde mir
den Weg zur Wahrheit weist
dort find ich eine Fülle und
Erleuchtung
die ich in meinen engen Wänden
nicht einmal träumen kann

Samstag, 3. Juli 2010

Bazar

Ein weiterer untauglicher Versuch
dich zu bestechen
Erfüllst du mir noch diesen einen Wunsch
- der, das halt ich mir zugute,
nicht meiner selbst gewidmet ist -
wenn ich verspreche,
dann an dich zu glauben?

Was willst du noch von mir,
die nichts zu bieten hat?
Was kann ich geben, um noch
etwas zu erlangen?

Wenn es mir möglich ist,
dein Fordern zu erfüllen,
dann lass mich wissen,
welchen Preis ich zahlen muss.
Ich werde ihn nicht gern begleichen

Doch werd ich's tun im Wissen,
dass ein jedes Wunder
teuer erkauft sein muss.

Freitag, 2. Juli 2010

Geständnis

Ich hab mich überschätzt
und bin dir fern geworden
in meinem Opfer
so wie ich mich von vielen
vor dir entfernt

Im Glauben an den Auftrag
blind dem Appell gefolgt
nichts ahnend von dem existentiellen Ausmaß
an Vernichtung
das meine Treue mit sich bringt

Noch weißt du nicht
in welchen Tiefen
sich mein Sinn bewegt
Noch wähnst du dich
aufrechter Liebe sicher

Mögest du nie erkennen
dass jede Tat nur Pflicht
und jedes Wort nur Mitleid war
seitdem du mich
unter dem Banner unsrer Freundschaft
vernichtet hast

Donnerstag, 1. Juli 2010

Unterwegs

Regen fliegt mir entgegen
explodiert in bunten Kaskaden auf meiner Haut
Wasser getränkt von Sonnenlicht
die Natur im Champagnerrausch

Aus der Zeit gerissen
von der Ordnung des Alltags befreit
die leichte Eleganz des Chaos
streift mich mit warmen Fingern

Beruhigt
die Vergänglichkeit des Vergangenen hinnehmen
die Belanglosigkeit des Gegenwärtigen genießen
Frei in der Unvorhersehbarkeit des Kommenden

Gelassenheit findest du
nie am Ziel
sondern immer nur am
Rande des Weges.

Samstag, 12. Juni 2010

Auferstehung

Der Augenblick
in dem der Hammer in deinem Kopf einsetzt
- ganz plötzlich, wie ein Stein,
der ins Wasser fällt -
der dich von jenem sanften Schlummer trennt
in dem du dich nicht weißt
jenem Abgrund
der kein Morgen garantiert
kein Ich verspricht
und kein Du kennt

Dieser kurze Atemzug
voller Schmerz
und Wiedererkennen
erweckt dich
zum Leben.

Freitag, 21. Mai 2010

Godot

Warten
auf bessere Zeiten
das letzte Abendmahl
die Erleuchtung

Im Schein der Straßenlaterne
auf liebe Freunde
warme Stuben
das Aufatmen, das
die Spannung löst

Nicht erwarten können
das Unvermeidbare
zu vergessen
dem Unerbittlichen
zu entrinnen
anzukommen
in mir

Montag, 10. Mai 2010

Grenzland

Tiefgaragen
Treppentürme
Bettenhäuser
mit wehenden Fahnen erreicht.

So viele Menschen
in der Notfallaufnahme.
Seltsam, dass du ihre Angst
nicht riechst.

Am Rande deiner selbst
fragst du dich,
ob heute der Tag ist,
an dem das Damoklesschwert
sein Ziel trifft
Oder ob der Kelch
wieder einmal
wider Erwarten
an dir vorüber geht.

Das Leben schnell noch einmal
im Spiralblick durchlaufen.
War es so, wie es sein sollte?
Wie es hätte werden können?
Oder hast du es versäumt?
Wartest du immer noch?

Sekunden, die quellen
wie zäher Brei.
Den Augenblick festhalten
- auch wenn du daran erstickst -
aus Angst vor dem nächsten.

Das Flüstern der Hoffnung
wie ein Gebet:
Noch kann alles gut werden.
Noch birgt dieser Tag die Chance,
in der Vergessenheit des Alltags
gnädig unterzugehen.