Donnerstag, 1. März 2018

Fast geschafft!

Schon wetzt der März die Messer
Mag sich der Winter auch trotzig
hinter seiner Kältewelle verschanzen 
Er hat keine Chance

Bald wird die Sonne
mit erbarmungsloser Geduld
Stück für Stück die starre Kruste aufbrechen
und dem Leben die Bahn frei machen

Das wird wieder eine blutige Angelegenheit 
Aber mir soll es recht sein
Mein Herz schlägt für den Sommer

Der Winter kann mich mal

Mittwoch, 21. Februar 2018

Crash

Warum liegt das Ende meiner Kräfte
immer zwei Ecken näher
als ich dachte?

Warum hagelt es von irgendwoher
neue Schläge
kaum, dass ich mich aufgerichtet habe?

Was nützt es mir
wenn meine Seele schwingt
und der Körper eine Bruchlandung hinlegt?

Am Ende siegt immer der Schmerz



Dienstag, 13. Februar 2018

Träume

Du wachst auf und fragst dich
warum du so traurig bist
bis du der Traumreste gewahr wirst
die an dir kleben

Träume, die davon erzählen
wer du einmal warst und wie sich das anfühlte
Träume, so nahe an der Wirklichkeit gebaut
dass sie sich auch im Licht des Tages
nicht einfach abstreifen lassen

Und du leidest mit deinem geträumten
vergangenen Ich
Du fühlst seinen Schmerz
und kannst ihm nicht helfen
Und du wirst es nicht los


Sonntag, 28. Januar 2018

Was übrig ist

Keine Sehnsucht mehr
die mich quält
Kein nagender Hunger
der mir die Ruhe nimmt

Nur noch der Schatten
eines leisen Bedauerns
weil uns nichts geblieben ist
obwohl da so viel war

Weil wir das Geschenk
das uns in den Schoß geworfen wurde
nicht anzunehmen wussten

Wir sind grandios gescheitert
und haben uns damit abgefunden
weil es auch so geht

Was bleibt, ist ein leises
Bedauern


Donnerstag, 4. Januar 2018

Satanische Verse

Der Teufel ist auch nicht mehr das
was er mal war
Blass kommt er daher und verbraucht
Beinahe tut er mir leid

Vielleicht konnte er das heilige Gelaber der Engel
nicht mehr ertragen
Es wäre ihm nicht zu verdenken
Langeweile zermürbt

Oder er wurde seiner selbst überdrüssig
und ist in Schwermut verfallen
Das kommt in den besten Kreisen vor
So mancher arme Teufel teilt sein Los

Nicht, dass ich ihn nicht mehr fürchtete
Ich weiß, mit einem Handstreich könnte er
mich auch jetzt noch vernichten
wenn er wollte

Aber das Vergnügen daran ist ihm vergangen
Was soll Luzifer mit Seelen
die auch ohne ihn gelernt haben
ihr Licht zu tragen?

Ihm bleibt nur noch die Dunkelheit






Sonntag, 17. Dezember 2017

Engel der Nacht

Die dunkle Materie ist es
die uns den Schlaf raubt

Mitten unter uns
und doch gerade außerhalb unserer Reichweite
lockt sie mit dem verheißungsvollen Versprechen
einer anderen Dimension

Und wir sehnen und verzehren uns voller Gier
Fühlen wollen wir, sehen, riechen, schmecken
was sich – so nahe und doch ungreifbar –
vor unserem brennenden Blick verbirgt

Die dunkle Materie ist es
die uns nicht zur Ruhe kommen lässt
Oder der unwiderstehliche Sog
unseres eigenen Abgrunds






Samstag, 2. Dezember 2017

Advent

Finster ist es und kalt
Die Raben singen ihr Winterlied

Advent, nennen es die Menschen
Ich frage mich, worauf sie warten

Was wir ersehnen, ist längst geschehen
und wirkt in uns fort
In mir jedenfalls

Einige von uns können es spüren
Andere nicht
Sie warten immer noch

Die Raben wissen es besser
Es ist nichts als Winter

Grausamer, trostloser, unendlicher Winter
Da müssen wir durch