Donnerstag, 13. August 2015

Sternschnuppen

Du brauchst nur zu warten
den Blick in die dunkle Weite gerichtet
die unerfassliche Zahl an fernen Feuern
von denen dir deiner Kurzsichtigkeit
und deiner Menschlichkeit wegen
ein verstörend großer Teil
verborgen bleibt

Und dann immer wieder eines
das vom Himmel fällt
kurz und schmerzlos
an der Grenze zur Illusion
und du hast einen Wunsch frei

Eigentlich sollte dich jetzt
die Demut packen
Klein solltest du dich fühlen angesichts
der Unendlichkeit

Und doch erinnert das
was dich erfüllt
eher an Wut
Ein unbändiges Wollen
gepaart mit absoluter
Aussichtslosigkeit

Tausende Fragen
ein unstillbarer Drang
zu wissen
welche Seelen, Welten, Bilder
sich hinter diesem Schwarz verstecken

Und was an deiner Seele nagt
ist nicht, dass du nicht weißt
sondern dass du niemals
wissen wirst

Donnerstag, 30. Juli 2015

Himmelwärts

So ein Blau
in dem man sich verlieren möchte
freundlich und weit
Genauso muss es aussehen
mein Verlier-Blau

Hell und einladend
nichts Dunkles, Bedrohliches
Ein Versprechen
keine düstere Vorankündigung

Wenn ich hoch hinauf steige
in das unbekümmerte Blau
auf meiner Gedankenstrickleiter
kann ich den lauen Wind spüren
der meinen Körper liebkost

Werde ich nach unten schauen?
Ich weiß es nicht
Vielleicht wird mir das Sein im Blau genügen
Ein Hier, ein Jetzt
mehr braucht es nicht

Aber wenn ich
falls ich
doch den Blick hinab riskiere
wird es ein Spiel sein
eine bunt getupfte Tiefe
ohne Sog

Ein Flug wird es sein
kein Fall

Samstag, 25. Juli 2015

Strada del Sole

Legionen von Sonnenblumen 
stehen gesenkten Hauptes
eine Armee geschlagener Soldaten 
demütig sich ergebend dem Feind 

Gewaltige Oleanderbüsche
in machtvoller Blüte 
spotten ihnen Hohn
und aus dem eleganten Reigen der
Zypressen blinzeln mir
vorwitzige Palmen zu

Endlos reckt Hügel an Hügel 
sein Gesicht in die Sonne
Weinstöcke sprenkeln
Sommersprossen gleich 
den braunen Teint 

Auf der linken Seite in mattem Türkis 
immer wieder das Meer 
zweidimensional und flach 
wie mit Wasserfarben hingepinselt 
von einem Kind 

Vor mir das Asphaltband 
glänzt flüssig unter der Glut 
eine Illusion von kühlem Nass 
so trügerisch 
bis an den Horizont 

Freitag, 10. Juli 2015

Überforderung

Zu viel
zu oft
zu laut
zu lange

Sie ziehen
zerren
fordern
brauchen

Erbarmungslos
hemmungslos
pausenlos
grenzenlos

Ein jeder kämpft
mit allen Mitteln
um die Reste deiner Kraft
ohne Rücksicht auf Verluste

Du tust
was sie von dir erwarten
bringst die Performance
und bist ihnen
nie genug

Es bleiben immer
Wünsche offen
Du bist am Ende
aber nie
am Ziel

Mittwoch, 1. Juli 2015

Showdown

Ice people
in the sun
Taking vain efforts to
protect their soft, white skin
from its blazing heat
Sweating with flame-coloured fear
Slowly melting away
almost audibly
drop by drop by drop
And while closing their eyes
against their foreboding
enjoying it

Donnerstag, 7. Mai 2015

Aufwind



Durchatmen
loslassen
abheben

Die warme Brise
unter den Flügeln spüren
ganz zart nur
ihre Liebkosung kosten
mich in der Strömung wiegen
mit den Wolken tanzen
getragen von ihrem Licht

Annehmen
ankommen
frei sein

Donnerstag, 23. April 2015

Pause

Einfach mir selbst genügen
Für einen Moment
Nichts wollen
Niemanden vermissen
Nirgends mich hinsehnen
Nur ich sein
Und hier

Kein Reißen und Ziehen
Das in mir wütet
In meiner Seele
Kein bitterer Schmerz

Mit beiden Beinen
Sicher am Boden stehen
Die Flügel am Rücken gefaltet
Ich brauch sie gerade nicht

Ein stilles Lächeln
wärmt mich von innen
Bescheiden und unspektakulär
Explosion und Exstase
Sind heute abgesagt

Innehalten
Mein Sein wahrnehmen
Die Freiheit kosten
Und plötzlich wissen
Wie Frieden schmeckt