Samstag, 14. Januar 2017

Von Jägern und Sammlern



Da stehen sie nun schön geordnet vor mir
wie Zinnsoldaten in Reih und Glied
all die Trophäen
die ich gesammelt habe
im letzten Jahr

Die Orden und Pokale
die ich entgegennehmen durfte
- herzlich wenige in jüngster Zeit -
wie auch die Male der Wunden
die mir geschlagen wurden
- auch ihrer nicht viele
aber dafür tief

Wohlwollend betrachte ich sie
diese unvergänglichen
Zeugen meiner Existenz
Alle sind sie mir willkommen
keines will ich missen
die hellen nicht und nicht
die dunklen

Sicher halten manche es für seltsam
dass ich Wunden sammle
wie andere Urlaubsfotos oder Steine
Und doch verlangt es mich danach
ihr warmes, dichtes Blut zu schmecken
obwohl es meines ist
das Leben unter der Haut zu spüren
und auf die Jagd zu gehen
nach dem Absoluten
das unerreichbar scheint
und unerreichbar ist (oder doch nicht?)

Und ja, ich weiß
Mädchen sollten Blumen pflücken
nicht jagen
Doch bin ich lange schon
kein Mädchen mehr
Und Blumen duften nur für kurze Zeit
bevor sie welken und vergehen
Meine Narben aber
die bleiben mir
für immer

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